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 Betreff des Beitrags: Verdrängung-Bewusstwerden-Verdrängung
BeitragVerfasst: 10.11.2013, 07:42 
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Registriert: 10.11.2013, 06:33
Beiträge: 1
Hallo,
bin ganz neu hier und möchte mir etwas von der "Seele" schreiben.

Ich bin 24 Jahre "jung" und hab für mein dato kurzes Leben glaube ich schon einiges mitgemacht.

Meine ganzen Erinnerungen an mein bisheriges Leben fangen sozusagen ab meinem 14en Lebensjahr an.
Damals fühlte ich mich irgendwie eigenartig und seltsam. Sah ich mich in meinem Freundeskreis um, kam ich mir vor wie ein
Außerirdischer, der nur eine Maske nach der Anderen trug um bloß nicht aufzufallen.

Mir kam es damals schon seltsam vor, dass ich mich an fast gar nichts mehr Erinnern konnte was unter 14 passiert ist.

Nun ja, hab mir nicht so viel Gedanken darüber gemacht.

Da war ein sehr seltsames, dunkles Gefühl in mir. Welches ich seither immer wieder versuche weit wegzuschieben. Meistens klappt das mental sehr gut, ab und an braucht es dazu die nötigen mittel (leider...)

Meine Psychische Verfassung verschlechterte sich Jahr um Jahr. Mit 17 meinte ein Psychiater, dass ich an einer Depression leiden würde. Ich gab mich damit zufrieden und nahm die Medikamente ein. Nur halfen sie nichts...

Anfang 2012 bekam ich nicht mehr mal die kleinen Dinge des Alltags gebacken. Ich ließ mich in die Psychiatrie einweißen, da ich wusste, dass wenn es so weiter gehen würde der Suizid vor der Tür stand.

Dort verweilte ich ein viertel Jahr, mir ging es sichtlich besser. Wurde entlassen.
Von nun an zählte die Gesprächstherapie zu den festen Terminen in der Woche.

Mir ging es insofern wieder soweit gut, dass ich allmählich wieder Arbeiten konnte.
Dieses "Up" ging gerade ein halbes Jahr gut.

Herbst 2012

Ich arbeitete als Intensivkrankenpfleger im Außerklinischen Bereich. Kurz: Medizinische und Pflegerische Versorgung von Inensivpflichtigen Patienten in ihren gewohnten zu Hause.
Nach einem langen 24h Dienst begab ich mich mit dem nach Hause.

Nein, dass war kein Katzensprung sondern knappe 100 Km.

Ich war etwas müde und mir fehlten noch ca, 12km bis nach Hause. Ich fuhr an einer Kirche vorbei.

Plötzlich war ich hier und doch in meiner inneren Welt gefangen. Ich war wieder Kind und spürte die Bartstoppeln vom Pfarrer, welcher mich nach der Kirche nach Hause brachte.

:roll: "wie bitte?! Was war das denn jetzt?!" Kalter Schauer lief mir von Kopf bis Fuß hinunter. Der nächste Gedanke war:"Markus, jetzt fangst du an zum spinnen, bist ja jetzt schon lange auf den Füßen!"

2 Min später fing wieder alles an...
Ich sah mich wieder in der Perspektive als kleines Kind, wie er versucht mir in den Schritt zu langen... Ich hatte nun sehr große Angst und fuhr ganz erschrocken heim.

Versuchte das jetzt alles zu vergessen und wollte mich hinlegen... Doch leider ging das nicht... Die Bilder, nein Szenen, welche mich betrafen wurden immer schlimmer. Ich zitterte am ganzen Körper und mich zog es schrecklich zusammen.

Dann hat sich das ganze wieder für 2 Wochen gelegt.

Nach diesen 2 Wochen, wurden die Szenen immer deutlicher und perverser... Wollte mit meiner Therapeutin aber nicht darüber reden.

In einer ihrer Therapiestunden hatte ich einen wirklich krassen Flashback und ich musste einfach nur heulen. Nun war es an der Zeit ihr, dass anzuvertrauen, ich schämte mich.

2 Monate später ging ich zu einer Beratungsstelle für Jungen mit Missbrauchshintergrund und bekam und bekomme von dessen Sozialpädagogen wirklich gute Unterstützung. Auch bin ich mittlerweile bei einer anderen Therapeutin, welche Tiefenpsychologisch fundierte Therapie anbietet. Was mir im großen und Ganzen sehr gut tut.

Hatte (leider) seit 2 Monaten, keine richtigen Flashbacks mehr. Also versteht mich nicht falsch... Ich will sie nicht haben...
Nur fängt jetzt das tatsächliche Problem an...

Mit den Flashbacks war das ganze soo sicher. Jetzt in den Zeiten wo sie nur sehr gering bis gar nicht auftreten, kommt es mir immer so vor, als würde ich mir das alles nur einreden und darf und kann mir keinen Glauben schenken.

Ja es ist so, es fühlt sich so an als wäre es passiert, ein anderer Teil in mir meint, dass ich mir das nur einbilde.
Es sind ja auch noch Flashbacks aufgetreten die mit dem Pfarrer nichts zu tun haben, sondern die Zeit vor dem Pfarrer, als mich meine Oma auch sexuell Missbrauchte.

Nun wollte ich euch fragen ob ihr das kennt, dieses nicht eingestehen können, dass es wirklich passiert ist. Das abspielen mit"Das Bild ich mir nur ein!"

Es macht mich wahnsinnig...


liebe Grüße

Markus


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 Betreff des Beitrags: Re: Verdrängung-Bewusstwerden-Verdrängung
BeitragVerfasst: 13.11.2013, 10:35 
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Registriert: 30.07.2010, 10:27
Beiträge: 294
Hallo Markus,
das kenne ich nur zu gut (viewtopic.php?f=88&t=22311) und es macht mich auch wahnsinnig, raubt mir dier Kräfte, obwohl das Leugnen sehr wahrscheinlich eine altbewährte "Überlebensstrategie" ist.
Bei mir kamen im Alter von 31 Jahren Erinnerungen, anfangs sehr präsent, doch dann verblassten sie wieder, was blieb waren Symptome und Körpererinnerungen und das Gefühl ich bilde mir ja alles ein und ich spinne.
Seit nunmehr 5 Jahren versuche ich diese Ambivalenz (Ich bin von meinem Vater mißbraucht worden vs. ich bilde mir alles ein) in klare Vergangenheit zu ändern.

Ich habe 5 Jahre eine Traumatherapie gemacht, wo sich alles darum drehte und ich fast durchdrehte :wink: nun versuche ich bei einer anderen Therapeutin einen anderen Ansatz. Bei mir ist es so, dass ich kaum Gefühle zulassen kann, so versuchen wir nun erstmal auf einer anderen Ebene Gefühle zu zu lassen, um dann vielleicht später auch an diese Gefühle herantreten zu können, ohne aus Schutz leugenen zu müssen.

Viel helfen kann ich leider auch nicht, nur sagen, dass du nicht alleine mit dem Problem bist und ich wünsche dir viel Kraft und Zuversicht.
Alles Gute
Belita


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 Betreff des Beitrags: Re: Verdrängung-Bewusstwerden-Verdrängung
BeitragVerfasst: 07.10.2018, 01:29 
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Registriert: 30.09.2003, 00:00
Beiträge: 146
Wohnort: Berlin
Dieses auf und ab, das du beschreibst,kenne ich von mir.
Gerade in Zeiten, in denen es mir gut geht, rücken die schlimmen Momente und Tage so sehr in die Vergessenheit dass sie unwirklich erscheinen und alles erleben damit unwahr wird.

Leichter wär es vermeintlich, wäre eine Erfahrung von Grenzüberschreitung oder Missbrauch immerzu klar und präsent. Hat aber einen Grund, dass es genau so nicht ist.

Was du heute fühlst, macht das gestern nicht weniger real. Das sage ich mir immerzu. Alles darf sein und hat seinen Grund.

_________________
Für den Schmetterling bedeutete es zu leben,
für die Raupe war es der Tod ...


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