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 Betreff des Beitrags: Wann lohnt es sich, mit dem Missbrauch auseinanderzusetzen?
BeitragVerfasst: 01.02.2019, 19:29 
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Registriert: 01.02.2019, 19:06
Beiträge: 1
Hallo an alle,

ich wurde als Kind von meinem Opa missbraucht, glaube ich. Ich kann mich an viele Situationen erinnern, die so etwas vermuten lassen, an etwas Konkretes erinnere ich mich jedoch nicht.

Beispiel: (Achtung, Trigger!)








Ich bin mit meinem Opa im Keller alleine, er will, dass ich irgendwie seltsam stehe, mir gefällt es nicht, ich renne weg, er stellt mich wieder hin und sagt, ich soll mich an den vergitterten Fenstern festhalten. Als meine Geschwister an die Tür klopfen, schickt er sie weg, als meine Mutter kommt, renne ich hin und mache ihr die Tür auf. Mein Opa ist sehr beleidigt und spricht nicht mehr mit mir.

Oder: Mein Opa babysittet und aus irgendeinem Grund gehe ich zu ihm ins Wohnzimmer. Hat er mich gerufen oder bin ich selber gekommen? Ich weiß es nicht. Er will, dass ich mich neben ihn aufs Sofa setze und lässt mich nicht zurück ins Bett. Ich kriege Angst. Meinen Bruder, der irgendwann kommt um nachzuschauen, was los ist, schickt er weg. Irgendwann, als er "fertig" ist (fertig womit?) darf ich auch ins Bett.

Beispiel Ende








So ähnliche Erinnerungen, wo der Kern (was genau hat er gemacht?) fehlt, habe ich einige. Ich habe lange damit gehadert, überhaupt daran zu glauben, dass sie passiert sind, aber inzwischen glaube ich schon, dass irgendetwas gewesen sein muss.

Jetzt zu meiner Frage: Wenn ich keine PTBS habe, warum soll ich mich überhaupt damit befassen? Wenn es schon so lange her ist, welche Gründe habe ich, da rumzustochern? Mein Opa ist schon lange tot. Würdet ihr mir dazu raten, mich weiter damit zu befassen oder das lieber ruhen zu lassen? Ich habe das Gefühl, dass ich die Grübeleien über den möglichen Missbrauch vorschiebe, um mich nicht um praktische und dringendere Sachen zu kümmern, wie meine Zukunft, Alltagsaufgaben, Arbeit, Pflichten etc. Ist alles vielleicht nur eine große Ausrede?

Vielen Dank und liebe Grüße,

IrgendwoDazwischen


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 Betreff des Beitrags: Re: Wann lohnt es sich, mit dem Missbrauch auseinanderzusetz
BeitragVerfasst: 01.02.2019, 20:18 
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Registriert: 13.04.2004, 14:47
Beiträge: 127
Liebe IrgendwoDazwischen,

Ersteinmal herzlich Willkommen hier bei uns.
Ich habe Deine Worte gelesen und kann Deine Frage verstehen und auch verstehen, dass du unsicher bist ob du dich weiter mit Deinen Erinnerungen befassen sollst oder nicht.
Meiner Meinung nach kannst und solltest nur du selbst Dir eine Antwort darauf geben.
Ob Du eine PTBS hast oder nicht ist dabei irrelevant. Viel wichtiger ist doch: Belasten dich diese Erinnerungen in irgendeiner Form oder kannst du für dich völlig wertfrei sagen: ja das war eine Erinnerung, wie gemeinsam mit dem Opa zu spielen oder was auch immer zu tun. Fühlst Du dich in deinem Alltag durch irgendwas eingeschränkt....

UND selbst wenn du keine Einschränkungen hast, du aber das Bedürfnis hast, dir das anzuschauen, dann tu es.

So viel mal von mir
LG Nela


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 Betreff des Beitrags: Re: Wann lohnt es sich, mit dem Missbrauch auseinanderzusetz
BeitragVerfasst: 03.02.2019, 19:53 
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Registriert: 07.09.2013, 11:31
Beiträge: 768
Hallo IrgendwoDazwischen,

auch von mir ein herzliches willkommen.

Ich sehe das ähnlich wie Nela. Wahrscheinlich kannst Du Dir das tatsächlich am Besten selbst beantworten. Das ist auch bei jedem anders. Die Frage ist: Wie oft kommen Deine Gedanken / Erinnerungen an Deinen Opa? Regelmäßig oder immer nur ab und zu mal? Hast Du immer wieder neue Bilder? Sind es immer die gleichen? Werden die Bilder mehr? Werden sie deutlicher? Und die wichtigste Frage ist, wie Nela auch schon geschrieben hat, schränken sie Dich im Alltag ein? Wenn Du Dir diese Fragen beantwortet hast, hast Du wahrscheinlich schon irgendein Gefühl, in welche Richtung das geht. Ich kann Dir nur den Tipp geben, hör genau in Dich hinein und hör auf Dein Gefühl und egal wie Du Dich entscheidest, gib Dir Zeit mit allem. So eine Aufarbeitung erfordert viel Geduld, aber es lohnt sich.

Wenn Du weitere Fragen hast, schreib gerne.

Liebe Grüße Melanie :-)

_________________
Auch ein langer Weg beginnt mit einem ersten Schritt...


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 Betreff des Beitrags: Re: Wann lohnt es sich, mit dem Missbrauch auseinanderzusetz
BeitragVerfasst: 03.02.2019, 23:01 
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Registriert: 21.03.2003, 01:00
Beiträge: 1062
Wohnort: Göttingen
Hallo Dazwischen,
ich denke da ein ganz kleinen wenig anders. Meiner Meinung nach hast Du Dich schon entschieden einen ersten Weg der Auseinandersetzung mit diesem Thema zu gehen, indem du hier den ersten Schritt gemacht hast.

Liebe Grüße Doni

_________________
Traurigkeit ist wie der Regen sie ist da damit wir wachsen können!


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 Betreff des Beitrags: Re: Wann lohnt es sich, mit dem Missbrauch auseinanderzusetz
BeitragVerfasst: 04.02.2019, 09:57 
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Registriert: 23.01.2016, 03:08
Beiträge: 50
hallo irgendwodazwischen,

auch von mir erst mal ein herzliches willkommen hier.

Ich seh das so wie Doni, dass du schon längst eine Entscheidung getroffen hast. Und ich kann dir aus meiner Erfahrung sagen, wenn du dich heute nicht damit beschäftigst, dann wirst du es übermorgen machen müssen, weil es dich da wieder einholt.

_________________
Es ist leichter starke Kinder aufzubauen
als kaputte Erwachsene zu reparieren

Frederick Douglass


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 Betreff des Beitrags: Re: Wann lohnt es sich, mit dem Missbrauch auseinanderzusetz
BeitragVerfasst: 06.02.2019, 13:23 
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Registriert: 08.12.2013, 12:31
Beiträge: 1290
Herzlich willkommen,

hör auf dein Gefühl. Wann tut es dir "gut" dich damit zu befassen und wann nicht.
Manche Bilder sind grausam, aufwühlend, schmerzhaft, fühlen sich bedrohlich an. Dennoch gab es Zeiten, da hat es mir gut getan mich damit zu befassen. Hin zu sehen, fühlen etc. es hat deswegen gut getan, weil es dadurch an Schrecken verloren hat. Wissen tut weh, aber wissen legt sich bei mir im Fach "bearbeitet" "erledigt" ab. Ungewissheit, Unsicherheit nehme ich öfter in die Hand. Wie bei einem Fachsystem für unbearbeitet Post. Wohin damit. Wohin mit den Informationen? Muss ich noch mal ran? Kommt da etwas auf mich zu? Gibt es Fristen (innerliche) usw. das belastet mich oft mehr.
Es "erledigt" zu haben, tut gut. Mir jedenfalls.
Vergessen werde ich es nicht, aber es fühlt sich anders an.

Ja, es gibt noch Situationen, die mich überraschen. Dafür sind die Überraschungen seltener, ich spüre, wenn wieder etwas kommt eher, kann mich besser darauf vorbereiten.

Es wird niemals gut tun, dass es geschehen ist. Es fühlt sich aber auf andere Art gut an, wenn es keine Bedrohung mehr ist. Schwer zu beschreiben.

Mit PTBS kenne ich mich nicht aus.

Die Frage, die für mich wichtig ist: wem vertraue ich, wer kann mich begleiten? Wo finde ich Hilfe, wenn mich das erschreckende einholt und ich die Gefühle nicht aushalten kann?
Dann, wenn ich weiß, dass es schwierig ist, Hilfe zu bekommen, dann schließt sich in mir die Türe. Ich bin dann nicht stark genug, das was darinnen ist zu bezwingen. Also mache ich die Türe zu
und komme wieder, wenn es mir besser geht, wenn ich bereit dazu bin. Manchmal bewusst, manchmal, weil ich vor etwas davon laufe, die Türe vergessen habe und genau dorthin hineinrenne in die Erinnerung. Weil ich vergessen hatte, was hinter der Türe ist.
Anfangs war ich wütend auf mich. Inzwischen seufze ich nur noch und entscheide, ob ich den Raum weiter aufräume oder rausgehe. Manchmal lasse ich die Türe auch offen. Dann weiß ich, was darin ist, renne somit nicht aus Versehen rein; befasse mich jedoch nicht aktiv damit.

Das muss und kann nicht alles auf einmal sein.
Mal tut es gut.
Mal tut es weh, erschreckt, schockiert, macht sprachlos, macht Angst
dann wieder fühlt es sich befreiend an.

Wichtig finde ich auf seine eigenen Kräfte zu hören, nichts aufdrängen lassen, fühlen, wem man vertraut und auch wenn es schwer fällt, Mut finden, Menschen anzusprechen.Mal mehr mal weniger.

Und auch wenn es heißt, man solle nur nach vorne sehen. Hin und wieder tut es mir gut auch zurückzublicken. Nicht im Rückwärts zu leben, sondern als Motivation um vorwärts zu gehen. Bewusst anzusehen, was ich schon geschafft habe, was ich für mich erreicht habe. Nicht im Vergleich zu.... sondern das, was ich fühle, was mir selbst wichtig ist.

Von einem erklommenen Berg ist die Aussicht grandios. Auch dann, wenn er nach vorne hin noch höher geht.

_________________
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold... und wer bezahlt (dafür)?


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